Wissen / Ex-Schutz
Jedes Ex-Gerät trägt eine genormte Kennzeichnung auf dem Typschild. Dieser Artikel schlüsselt sie vollständig auf — von der Gerätegruppe bis zu den Sonderzeichen „X“, „U“ und den eckigen Klammern.
Die Kennzeichnung besteht aus zwei Teilen: der Kennzeichnung nach Richtlinie 2014/34/EU (Anhang II Nr. 1.0.5) — Ex-Sechseck, Gerätegruppe, Kategorie, Atmosphäre — und der Kennzeichnung nach Norm (EN IEC 60079-0) mit Zündschutzart, Gruppe, Temperaturklasse und Geräteschutzniveau. Am Beispiel des RW65_EX_II:
Die identische Kennzeichnung trägt auch die eigensichere LED-Signalleuchte DKL01 — die Systematik gilt für jeden Gerätetyp gleichermaßen.
Der Buchstabe hinter „Ex“ benennt die Zündschutzart — das konstruktive Prinzip, mit dem eine Zündung verhindert wird. Die Normenreihe IEC/EN 60079 definiert für Gas-Atmosphären unter anderem:
Gehäuse hält eine innere Explosion aus — Motoren, Schaltgeräte
Zündquellen konstruktiv vermieden — Klemmenkästen, Leuchten
Energiebegrenzung im Stromkreis — MSR-Technik, Sensorik; „ia“ als einzige Stufe bis Zone 0
Verguss umschließt Zündquellen — Magnetventile, Elektronikmodule
Zündschutzgas unter Überdruck — Schaltschränke, Analysengeräte
Zündquellen unter Öl — selten, z. B. Transformatoren
Füllgut löscht Zündfunken — selten, z. B. Vorschaltgeräte
Vereinfachte Anforderungen — nur Zone 2
Staubdichtes Gehäuse mit Temperaturbegrenzung — Staub-Ex-Bereiche
Die Gruppe hinter der Zündschutzart benennt, für welche Stoffe das Gerät geeignet ist. Höhere Gruppen schließen die niedrigeren ein — IIC deckt also auch IIB und IIA ab.
geringste Zündempfindlichkeit
mittlere Zündempfindlichkeit
höchste Zündempfindlichkeit — schließt IIA und IIB ein
z. B. Mehl, Holzstaub
z. B. Metallstaub, Ruß — schließt IIIA und IIIB ein
Die Temperaturklasse begrenzt die maximale Oberflächentemperatur des Geräts (EN IEC 60079-0, Abschnitt 5.3.2, Tabelle 2). Sie muss unter der Zündtemperatur des vorhandenen Gases liegen:
Für Stäube werden statt T-Klassen meist direkte Maximaltemperaturen angegeben. Die zulässige Oberflächentemperatur ist mit Zünd- und Glimmtemperatur des konkret vorhandenen Staubs abzugleichen (EN 60079-14).
ATEX-Kategorie (Richtlinie 2014/34/EU) und Geräteschutzniveau EPL (IEC 60079) beschreiben dasselbe Schutzniveau aus zwei Regelwerken. Die Zuordnung zu den Zonen regelt EN 60079-14, Tabelle 1:
Vier Zusätze werden in der Praxis häufig übersehen — und sind rechtlich relevant:
Ein „X“ am Ende der Bescheinigungsnummer (z. B. „…ATEX 1234X“) bedeutet: Es gelten besondere Verwendungsbedingungen, die ausschließlich in der EU-Baumusterprüfbescheinigung stehen — etwa Vorgaben zu Umgebungstemperatur, Montage oder elektrostatischer Aufladung. Ohne Lektüre der Bescheinigung ist ein regelkonformer Einsatz nicht möglich (EN IEC 60079-0).
Ein „U“ kennzeichnet eine unvollständige Ex-Komponente (z. B. ein leeres Gehäuse), die erst in Kombination mit weiteren Komponenten ein einsatzfähiges Gerät ergibt. Direkteinsatz in der Zone ist unzulässig.
Eckige Klammern, z. B. „II (1) G [Ex ia Ga] IIC“, kennzeichnen zugehörige Betriebsmittel: Zenerbarrieren, Trennschaltverstärker oder Speisegeräte, die im sicheren Bereich montiert werden und deren Stromkreise in die Zone führen. Die Kategorie in runden Klammern bezieht sich auf die angeschlossenen Stromkreise.
Weicht der zulässige Umgebungstemperaturbereich vom Standardbereich −20 °C bis +40 °C ab, muss er auf dem Typschild angegeben werden, z. B. „−40 °C ≤ Ta ≤ +60 °C“ (EN IEC 60079-0).
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