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Wissen / Ex-Schutz

Eigensicherheit (Ex ia) in ATEX-Bereichen erklärt

Was Eigensicherheit bedeutet, wie Sie eine ATEX-Kennzeichnung lesen und welche Trennstufe Sie brauchen.

Warum Explosionsschutz? Die ATEX-Zonen

Überall, wo brennbare Gase, Dämpfe oder Stäube auftreten können — Biogasanlagen, Lösungsmittelprozesse in der Pharma, Mühlen, Lackieranlagen — teilt der Betreiber die Anlage in Zonen ein. Rechtsgrundlage sind die Zonendefinitionen der Richtlinie 1999/92/EG (Anhang I), in Deutschland umgesetzt in der GefStoffV (Anhang I Nr. 1.7); die Zuordnung der Gerätekategorien zu den Zonen regelt Anhang II B derselben Richtlinie. Je häufiger die explosionsfähige Atmosphäre vorliegt, desto höher die Anforderung an das Gerät.

Zone 0/ Zone 20
Ständig, über lange Zeiträume oder häufig

Innenraum von Fermentern, Tanks, Behältern

Kategorie 1 — Eigensicherheit nur als Ex ia
Zone 1/ Zone 21
Gelegentlich im Normalbetrieb

Umgebung von Befüllstutzen, Pumpenräume

Kategorie 1 oder 2 — Ex ia oder Ex ib
Zone 2/ Zone 22
Im Normalbetrieb normalerweise nicht, allenfalls kurzzeitig

Bereiche um dichte Flanschverbindungen

Kategorie 1, 2 oder 3 — auch Ex ic

Drei Wege, eine Zündung zu verhindern

Die Normenreihe IEC/EN 60079 definiert mehrere Zündschutzarten. Die drei für die Messtechnik wichtigsten unterscheiden sich grundlegend im Ansatz:

Ex d

Druckfeste Kapselung · EN 60079-1

Eine Zündung im Inneren wird zugelassen — das Gehäuse hält der Explosion stand und verhindert die Übertragung nach außen. Robust, aber schwer und wartungsaufwendig: Vor jedem Öffnen muss der Stromkreis freigeschaltet werden.

Typisch für Motoren und Schaltgeräte mit hoher Leistung.

Ex e

Erhöhte Sicherheit · EN 60079-7

Zündquellen wie Funken und heiße Oberflächen werden konstruktiv vermieden — vergrößerte Luft- und Kriechstrecken, besondere Klemmen, Übertemperaturschutz. Gilt nur für Betriebsmittel ohne betriebsmäßige Funkenbildung.

Typisch für Klemmenkästen und Leuchten.

Ex ia

Eigensicherheit · EN 60079-11

Die elektrische Energie im Stromkreis wird so weit begrenzt, dass weder Funken noch thermische Effekte zündfähig werden — beim Schutzniveau „ia“ auch bei Anwendung von bis zu zwei zählbaren Fehlern (IEC 60079-11:2023, Abschnitt 5.2.2). Arbeiten am eigensicheren Stromkreis sind im laufenden Betrieb zulässig.

Zone 0 verlangt Geräte der Kategorie 1 — innerhalb der Eigensicherheit erfüllt das nur Schutzniveau „ia“. Standard in der Prozess-Messtechnik.

Die ATEX-Kennzeichnung lesen

Jedes Ex-Gerät trägt eine genormte Kennzeichnung (Richtlinie 2014/34/EU, Anhang II Nr. 1.0.5, in Verbindung mit EN IEC 60079-0). Am Beispiel des RW65_EX_II:

II 1 GD Ex ia IIC/IIIC T4 Ga Da
II
Gerätegruppe II — alle Bereiche außer Bergbau
1
Kategorie 1 — zugelassen für Zone 0 (Gas) und Zone 20 (Staub), die schärfste Stufe
GD
Einsetzbar in Gas- und Staub-Atmosphären
Ex ia
Eigensicherheit, höchste Stufe — toleriert zwei unabhängige Fehler
IIC / IIIC
Gasgruppe IIC (inkl. Wasserstoff) und Staubgruppe IIIC (leitfähige Stäube wie Metallstaub, Ruß)
T4
Maximale Oberflächentemperatur 135 °C (Temperaturklassen: EN IEC 60079-0, Tabelle 2)
Ga Da
Geräteschutzniveau (EPL) „a“ — sehr hohes Schutzniveau für Gas und Staub (EN IEC 60079-0, Abschnitt 3; Zuordnung EPL ↔ Zone: EN 60079-14, Tabelle 1)

Kategorie 1 mit IIC/IIIC ist die weiteste Zulassung, die ein Messgerät haben kann: Es darf in jeder ATEX-Zone eingesetzt werden — auch dort, wo Wasserstoff oder leitfähige Stäube auftreten.

Die identische Kennzeichnung trägt auch die eigensichere LED-Signalleuchte DKL01 — die Aufschlüsselung gilt unabhängig vom Gerätetyp, vom Differenzdruckmessgerät bis zur Signalleuchte.

Zur DKL01

Die Trennstufe: immer Pflicht

Ein verbreiteter Irrtum: „Das Gerät ist eigensicher, also kann ich es direkt anschließen.“ Tatsächlich wird der Stromkreis erst durch die Kombination aus Feldgerät und zugehörigem Betriebsmittel (Trennstufe) auf der sicheren Seite eigensicher; der formale Nachweis der Eigensicherheit erfolgt nach EN 60079-14, Abschnitt 16. Die Trennstufe begrenzt Spannung und Strom, bevor die Leitung in die Zone führt. Drei Bauformen sind üblich:

Niemals direkt an das Netzteil anschließen — ohne Trennstufe ist der ATEX-Schutz nicht wirksam.

Zenerbarriere

  • Passiv — keine eigene Versorgung
  • Kostengünstigste Lösung
  • Benötigt eine saubere eigensichere Erdung (< 1 Ω)
  • Spannungsabfall in der Schleife einkalkulieren

Wenn eine zuverlässige IS-Erdung vorhanden ist und die Kosten zählen.

Trennschaltverstärker

  • Aktiv, galvanische Trennung
  • Keine eigensichere Erdung erforderlich
  • Einfacher in Planung und Verkabelung
  • Signal wird 1:1 auf die sichere Seite übertragen

Der Standardweg in den meisten Neuanlagen — unkompliziert und robust.

Eigensicheres Speisegerät

  • Kombiniert Versorgung und Trennung in einem Gerät
  • Speist den 2-Leiter-Transmitter direkt
  • Eine Komponente weniger im Schaltschrank

Wenn ohnehin eine Speisung für den 4–20-mA-Kreis benötigt wird.

Bei der Auswahl zählen die Entitätsparameter (EN 60079-14, Abschnitt 16, Kabelkennwerte nach Anhang J): Ui ≥ Uo, Ii ≥ Io, Pi ≥ Po; zusätzlich müssen Ci plus Kabelkapazität unter Co und Li plus Kabelinduktivität unter Lo bleiben. Beim RW65_EX_II gilt: Ui ≤ 30 V DC, Ii ≤ 100 mA, Pi ≤ 620 mW; Ci und Li sind vernachlässigbar — die zulässigen Kabelwerte der Trennstufe stehen damit praktisch vollständig für die Leitung zur Verfügung.

Was heißt das für die Differenzdruckmessung?

Im Ex-Bereich spielt das mechanische Ringwaagen-Prinzip drei Vorteile aus, die elektronische Sensoren konstruktionsbedingt nicht bieten können:

Keine interne Energiequelle

Das Messwerk arbeitet rein mechanisch — Druckdifferenz gegen Gewichtskraft. Zündfähige Energie entsteht im Messwerk prinzipbedingt nicht. Der eingebaute schleifengespeiste 2-Leiter-Transmitter (4–20 mA) führt ausschließlich die von der Trennstufe begrenzte Energie; optional lässt sich das Gerät mit bis zu zwei eigensicheren NAMUR-Kontakten ausstatten.

Ablesbar ohne Strom

Die 150-mm-Skala funktioniert auch bei Spannungsausfall oder abgeklemmter Trennstufe. Für Sichtprüfungen in der Ex-Zone heißt das: kein Messumformer-Display, das erst versorgt werden muss.

Driftfrei — weniger Rekalibrierung

Jede Rekalibrierung im Ex-Bereich bedeutet Freigabeprozess, Stillstand und Dokumentation. Das driftfreie mechanische Prinzip verlängert die Intervalle deutlich — in der Praxis der größte Kostenhebel.

Zur Einordnung: Elektronische Transmitter für solche Kleinstbereiche enthalten in der Regel Sensoren für deutlich größere Messbereiche (typisch 750 bis 2.500 Pa Endwert), deren Signal elektronisch auf den kleinen Messbereich verstärkt wird — in Datenblättern als „Turndown“ bezeichnet, etwa 100:1. Genauigkeits-, Temperatur- und Stabilitätsangaben beziehen sich jedoch auf den Endwert des Sensors, nicht auf den eingestellten Messbereich: Je stärker verstärkt wird, desto größer werden diese Fehler relativ zum Messbereich.

Nach unserer Marktrecherche (Stand: Juli 2026) ist der RW65_EX_II das einzige vor Ort ablesbare Differenzdruckmessgerät, das eine ATEX-Kategorie-1-Zulassung (Zonen 0/20, Ex ia) mit einem nativen Messbereich ab 40 Pa kombiniert. Ex-ia-Transmitter erreichen vergleichbare Spannen nur über die beschriebene Spreizung — mit Langzeitstabilitäten, die für diese Kleinstbereiche mit ±0,1–0,2 % des Zellen-Endwerts pro Jahr spezifiziert sind; bezogen auf eine 40-Pa-Spanne entspricht das mehreren Prozent Drift pro Jahr und entsprechendem Rekalibrierbedarf.

Passendes Gerät

RW65_EX_II

Eigensicheres ATEX-Differenzdruckmessgerät — II 1 GD, Zonen 0/1/2 und 20/21/22, Messbereiche ab 40 Pa, 4–20 mA passiv, bis zu 2 NAMUR-Kontakte.

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Normative Grundlagen

Die Rechts- und Normengrundlagen dieses Artikels im Überblick:

Richtlinie 2014/34/EU
Geräte und Schutzsysteme zur Verwendung in explosionsgefährdeten Bereichen; Kennzeichnung: Anhang II Nr. 1.0.5
Richtlinie 1999/92/EG
Mindestvorschriften für den Schutz der Beschäftigten; Zonendefinitionen: Anhang I, Zuordnung Gerätekategorie ↔ Zone: Anhang II B
GefStoffV
Deutsche Umsetzung; Explosionsschutzdokument: § 6 Abs. 9, Zonendefinitionen: Anhang I Nr. 1.7; konkretisiert durch TRGS 720–725
EN IEC 60079-0
Allgemeine Anforderungen; Temperaturklassen: Abschnitt 5.3.2, Tabelle 2; Geräteschutzniveaus (EPL): Abschnitt 3
EN 60079-11
Zündschutzart Eigensicherheit „i“; Schutzniveaus ia/ib/ic (IEC-Ausgabe 2023: Abschnitte 5.2.2–5.2.4)
EN 60079-14
Projektierung, Auswahl und Errichtung elektrischer Anlagen; Nachweis der Eigensicherheit: Abschnitt 16; Kennzeichnung eigensicherer Stromkreise: Abschnitt 16.2.2; Kabelkennwerte: Anhang J
EN 60079-17
Prüfung und Instandhaltung elektrischer Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen

Haftungshinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Orientierung und ersetzt weder die Gefährdungsbeurteilung noch die Prüfung im Einzelfall durch qualifizierte Fachkräfte. Die Verantwortung für Zoneneinteilung, Geräteauswahl, Errichtung und Betrieb liegt allein beim Betreiber. Trotz sorgfältiger Recherche übernehmen wir keine Gewähr für Richtigkeit und Vollständigkeit; maßgeblich ist ausschließlich die jeweils gültige Fassung der Richtlinien und Normen. Stand: Juli 2026.

Häufige Fragen

RW65_EX_II oder DKL01 im Ex-Bereich einsetzen?

Zone, Messbereich, Trennstufe, Entity-Parameter — beim Einsatz unserer Geräte beantworten wir die Auslegungsfragen direkt. Allgemeine ATEX-Beratung bieten wir nicht an.