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Wissen / Inbetriebnahme

Ringwaage in Betrieb nehmen

Vollständige Anleitung für alle Rixen-Ringwaagen — RW65, MU-Analog-65, MU-Digital, MU-Analog-65-2L, RW65_EX_II, Rixotact 4. Basiert auf den Werks-Betriebsanleitungen.

Werkzeug & Material
  • · Wasserwaage (zweiachsig)
  • · Kreuzschlitz- und Innensechskant-Set

Hinweise vor der Inbetriebnahme

Diese Hinweise gelten für alle Modelle. Nicht beachten kann zu Ölverlust oder dauerhafter Beschädigung führen.

Gerät nie liegend oder gekippt mit geöffneten Ventilen!

Das Gerät enthält eine Ölsperrflüssigkeit. Solange die Ventile geöffnet sind, darf das Gerät nicht demontiert, gekippt oder liegend transportiert werden — das Öl läuft sonst aus und das Gerät muss ins Werk zur Nachfüllung. Ventile immer schließen (rechtsdrehen bis Anschlag), bevor das Gerät von der Wand genommen wird.

Nie am Zeiger ziehen oder drücken!

Der Zeiger sitzt auf einer filigranen Achse. Mechanische Krafteinwirkung auf den Zeiger verbiegt ihn oder lässt ihn auf der Achse verrutschen — beides führt zu dauerhaften Anzeigefehlern. Zeigerbewegung ausschließlich über die Arretierschraube A oder über angelegten Druck.

Kein starkes Blasen, keine Druckluft!

Für die Ölmengen-Prüfung (Funktionskontrolle) darf nur leicht in die linke Tülle geblasen werden — maximal bis zum Skalenendwert. Druckluft oder starkes Blasen kann den Ringkörper überschlagen und Öl herausschleudern. Unterdruck niemals durch Ansaugen mit dem Mund erzeugen.

Inbetriebnahme — Schritt für Schritt

01

Lieferung prüfen

Gerät aus der Verpackung nehmen. Im Lieferumfang: Gerät, Werkskalibrierprotokoll (mit Gerätenummer).

Werkskalibrierprotokoll und Bedienungsanleitung sicher aufbewahren.

Bei Rückfragen bitte immer die Gerätenummer (Instr.-Nr.) bereithalten.

02

Gehäuse öffnen und Gerät senkrecht montieren

Gerät an einer ebenen, erschütterungsarmen Wand senkrecht ausrichten. Wasserwaage anlegen — in beiden Achsen prüfen. Abweichungen führen zu Messfehlern: 1° Neigung ergibt 3° Zeigerausschlag.

Befestigungsschrauben anziehen. Bei Bedarf Unterlegscheiben verwenden, um die genaue Senkrechte zu erzielen. Die Nullkorrekturschraube N (Exzenter) ist für die letzte Feinjustierung — nicht als Ausgleich für schräge Montage verwenden.

1° Gehäuseneigung bewirkt 3° Zeigerverstellung
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Das Gerät darf ausschließlich senkrecht montiert werden. Bei nicht senkrechter Montage läuft Öl aus.

03

Ventile öffnen

Erst jetzt — nach der senkrechten Montage — beide Ventile V bis zum Anschlag linksdrehen (öffnen). Beide müssen vollständig offen sein.

Nicht vollständig geöffnete Ventile führen zu Fehlmessungen und lassen das Messmedium am Ventilsitz vorbei ins Gehäuseinnere entweichen.

Ventile erst öffnen, wenn das Gerät korrekt montiert ist. Offene Ventile bei nicht montiertem Gerät → Öl läuft aus.

04

Transport-Arretierung lösen

Arretierschraube A bis zum Anschlag linksdrehen. Der Ringkörper ist jetzt frei beweglich.

Der Zeiger sollte sich von alleine auf Null einpendeln. Bei Messbereichen unter 100 Pa kann das 2–3 Minuten dauern — Geduld, nicht nachhelfen.

Die Arretierung sichert den Ringkörper für Transport und Demontage. Vergessene Arretierung ist die häufigste Ursache dafür, dass die Anzeige auf Druck nicht reagiert.

05

Nullkorrektur

Zur Nullkontrolle: beide Ventile vollständig offen, beide Tüllen druckfrei zur Atmosphäre offen, Gerät exakt senkrecht montiert.

Geräte mit analoger Skala (RW65, MU-Analog-65, MU-Analog-65-2L, RW65_EX_II, Rixotact 4): Zeigt der Zeiger nicht auf Null, Feinkorrektur mit der Exzenterschraube N. Die Schraube hat die größte Wirkung, wenn der Schlitz um 90° nach links oder rechts gedreht wird. Nach jeder Korrektur den Ringkörper vollständig auspendeln lassen.

MU-Digital: Nullpunkt elektronisch über das interne Potentiometer korrigieren — keine mechanische Schraube N vorhanden.

Positionen der Schraube N: NO!, normal, +max, -max
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Schraube N (analog) bzw. Potentiometer (MU-Digital) sind nur für die Kompensation von Montage-Einflüssen (Schiefhang) — nicht zur Korrektur der mechanischen Hysterese. Das Werkskalibrierprotokoll zeigt zwei Nullwerte: einen beim Anfahren von unten und einen von oben (z.B. −0,2 Pa und +0,3 Pa). Diese Differenz ist normale Lagerreibung, kein Fehler. Den Nullpunkt nicht auf exakt 0,0 Pa zwingen — das verschiebt die Hysterese auf die Skala und erhöht den Messfehler über den ganzen Bereich. Wenn justiert wird: auf den Mittelpunkt des Hysteresebandes aus dem Protokoll einstellen.

06

Druckanschlüsse verbinden

Linke Tülle = p+ (höherer Druck), rechte Tülle = p− (niedrigerer Druck). Bei Differenzdruckmessung beide Tüllen anschließen: p+ an den Messpunkt mit dem höheren Druck, p− an den Messpunkt mit dem niedrigeren Druck. Bei Überdruck- oder Unterdruckmessung bleibt p− offen zur Atmosphäre.

Die Tüllen haben 8 mm Außendurchmesser. Die Prozessleitungen werden direkt daran angeschlossen — ob mit Schlauch oder starrer Rohrleitung spielt keine Rolle, solange die Verbindung dicht sitzt.

Vertauschte Anschlüsse beschädigen das Gerät nicht, invertieren aber die Anzeige. Belegung vor dem Anschließen gegen den Leitungsplan prüfen.

Gehäuse-Übersicht: Bauteil-Beschriftung E, V, A, N, P
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Für Unterdruckmessung (Zug): p+ (links) an die Messstelle, p− (rechts) zur Atmosphäre offen — identisch wie bei Überdruckmessung, nur mit negativem Ergebnis.

07

Elektrisch anschließen

Anschließen nach beiliegendem Schaltplan. Für die modellspezifische Klemmenbelegung die mitgelieferte Betriebsanleitung beachten.

08

Nullpunkt prüfen

Beide Tüllen offen zur Atmosphäre lassen — so liegt an beiden Seiten derselbe Druck an. Zeiger oder Digitalanzeige muss auf null gehen.

Bleibt eine Abweichung: erneut Senkrecht-Ausrichtung mit der Wasserwaage prüfen. Verbleibt die Abweichung nach Korrektur über dem Genauigkeitsgrenzwert (±1,5 Pa bei Messbereichen < 100 Pa; ±1,5 % v. E. bei Messbereichen > 100 Pa) → Gerät zur Werksprüfung einschicken.

09

Inbetriebnahme der Anlage

Druckschläuche an die Prozessanschlüsse anschließen (p+ links, p− rechts). Verbindungen auf Dichtigkeit prüfen.

Anlage in Betrieb nehmen und prüfen, ob die angezeigten Messwerte plausibel sind — d. h. ob der Zeiger oder die Digitalanzeige im erwarteten Bereich liegt.

Bei Abweichungen: Anschlüsse auf Dichtigkeit prüfen, Senkrecht-Ausrichtung kontrollieren, Nullpunkt (Schritt 08) wiederholen.

10

Gehäuse schließen

Gehäusedeckel passgenau aufsetzen und die Schrauben gleichmäßig anziehen.

Funktionskontrolle des Messwerks

Empfohlen nach Störfällen, nach längerem Stillstand oder als allgemeine Prüfung. Beide Tests sind ohne Demontage durchführbar.

Test 1

Ölmenge prüfen

  1. 1.Einen sauberen, flexiblen Schlauch auf die linke Tülle (p+) stecken.
  2. 2.Leicht in den Schlauch blasen und dabei den Zeiger beobachten.
  3. 3.Ergebnis OK: Zeiger steigt bis zum Skalenendwert — genügend Sperrflüssigkeit vorhanden.
  4. 4.Ergebnis NOK: Luft tritt vor Erreichen des Endwerts aus der rechten Tülle aus → Öl muss nachgefüllt werden (Rixen kontaktieren, Gerätenummer bereithalten).

Nie stärker als bis zum Endwert blasen — Ringkörper kann überschlagen und Öl herausschleudern.

Nie mit dem Mund Unterdruck erzeugen (ansaugen). Für den Unterdruck-Test: Schlauch auf die rechte Tülle stecken und vorsichtig blasen — der invertierte Druck simuliert Unterdruck.

Test 2

Mechanische Nullstellung prüfen

  1. 1.Beide Ventile vollständig öffnen, beide Tüllen druckfrei zur Atmosphäre.
  2. 2.Gerät auf exakte Senkrechte prüfen (Wasserwaage).
  3. 3.Zeiger muss auf Null gehen. Bei Messbereichen < 100 Pa: 2–3 Minuten warten.
  4. 4.Feinkorrektur: Analog-Modelle (RW65, MU-Analog-65, MU-Analog-65-2L, RW65_EX_II, Rixotact 4) mit Exzenterschraube N. MU-Digital: Nullpunkt über das interne Potentiometer korrigieren. Nach jeder Korrektur Messwerk vollständig auspendeln lassen.

Das Messwerk arbeitet bei normalen Bedingungen wartungs- und verschleißfrei. Geht der Zeiger nach korrekter Ausrichtung und N-Korrektur nicht auf Null → Kontakt zu Rixen aufnehmen (Kugellagerreibung oder gequollene Innen-Silikonschläuche durch ausgelaufenes Öl, beides selten).

Außerbetriebnahme

  1. 1.Versorgungsspannung abschalten (falls Transmitter vorhanden).
  2. 2.Gehäusedeckel abnehmen. Elektrische Leitungen abklemmen.
  3. 3.Zeiger vorsichtig (nur in Zeigerachsennähe anfassen, nie am Zeigerblatt ziehen!) auf den Arretierpunkt P bringen.
  4. 4.Arretierschraube A bis zum Anschlag rechtsdrehen — Messwerk ist jetzt gesichert.
  5. 5.Beide Ventile V schließen (rechtsdrehen bis zum Anschlag).
  6. 6.Gehäusedeckel wieder aufsetzen. Gerät von der Wand nehmen.

Häufige Fehlerbilder

Symptom

Zeiger/Anzeige geht nicht auf Null

Mögliche Ursachen
  • Gerät nicht exakt senkrecht — Wasserwaage prüfen, neu ausrichten
  • Arretierschraube A noch eingeschraubt — A links bis Anschlag drehen
  • Beide Tüllen nicht druckfrei — zum Nulltest beide Tüllen zur Atmosphäre öffnen
  • Vibration von benachbarten Anlagen — Standort wechseln oder dämpfen
Symptom

Keine Reaktion auf angelegten Druck

Mögliche Ursachen
  • Arretierung A nicht gelöst — häufigste Ursache
  • Ventil(e) nicht vollständig geöffnet
  • Schlauchverbindung undicht oder abgeknickt
  • Druckanschlüsse vertauscht — Zeiger schlägt dann in Gegenrichtung aus
Symptom

4–20-mA-Signal stimmt nicht

Mögliche Ursachen
  • Schleifenwiderstand zu hoch — bei 24 V DC max. 600 Ω (MU-2L) bzw. Datenblatt prüfen
  • Versorgungsspannung falsch oder instabil
  • ATEX-Geräte: Zenerbarriere-Parameter passen nicht zu Ui des Geräts
Symptom

Anzeige rauscht oder pulsiert

Mögliche Ursachen
  • Druckschwankungen aus dem Prozess — bei kleinen Spannen (< 40 Pa) normal
  • Schlauchlänge zu kurz — Dämpfungsvolumen fehlt
  • Schlauch eingeklemmt oder gequetscht — Verlegung prüfen
Symptom

Nullpunkt weicht nach Wochen ab

Mögliche Ursachen
  • Setzung des Gebäudes oder Wartungsarbeiten haben die Ausrichtung verändert — Wasserwaage prüfen, Schrauben nachziehen
  • Schlauch undicht — fast immer die Ursache, wenn Ausrichtung korrekt
  • Mechanischer Drift des Messwerks: physikalisch ausgeschlossen

Häufige Fragen

Fragen zur Inbetriebnahme?

Bei Sonderkonfigurationen, ATEX-Auslegungen oder wenn das Gerät nicht reagiert wie erwartet — wir helfen direkt. Bitte die Gerätenummer (Instr.-Nr. auf dem Typenschild) bereithalten.