Wissen / Inbetriebnahme
Vollständige Anleitung für alle Rixen-Ringwaagen — RW65, MU-Analog-65, MU-Digital, MU-Analog-65-2L, RW65_EX_II, Rixotact 4. Basiert auf den Werks-Betriebsanleitungen.
Diese Hinweise gelten für alle Modelle. Nicht beachten kann zu Ölverlust oder dauerhafter Beschädigung führen.
Das Gerät enthält eine Ölsperrflüssigkeit. Solange die Ventile geöffnet sind, darf das Gerät nicht demontiert, gekippt oder liegend transportiert werden — das Öl läuft sonst aus und das Gerät muss ins Werk zur Nachfüllung. Ventile immer schließen (rechtsdrehen bis Anschlag), bevor das Gerät von der Wand genommen wird.
Der Zeiger sitzt auf einer filigranen Achse. Mechanische Krafteinwirkung auf den Zeiger verbiegt ihn oder lässt ihn auf der Achse verrutschen — beides führt zu dauerhaften Anzeigefehlern. Zeigerbewegung ausschließlich über die Arretierschraube A oder über angelegten Druck.
Für die Ölmengen-Prüfung (Funktionskontrolle) darf nur leicht in die linke Tülle geblasen werden — maximal bis zum Skalenendwert. Druckluft oder starkes Blasen kann den Ringkörper überschlagen und Öl herausschleudern. Unterdruck niemals durch Ansaugen mit dem Mund erzeugen.
Inbetriebnahme — Schritt für Schritt
Gerät aus der Verpackung nehmen. Im Lieferumfang: Gerät, Werkskalibrierprotokoll (mit Gerätenummer).
Werkskalibrierprotokoll und Bedienungsanleitung sicher aufbewahren.
Bei Rückfragen bitte immer die Gerätenummer (Instr.-Nr.) bereithalten.
Gerät an einer ebenen, erschütterungsarmen Wand senkrecht ausrichten. Wasserwaage anlegen — in beiden Achsen prüfen. Abweichungen führen zu Messfehlern: 1° Neigung ergibt 3° Zeigerausschlag.
Befestigungsschrauben anziehen. Bei Bedarf Unterlegscheiben verwenden, um die genaue Senkrechte zu erzielen. Die Nullkorrekturschraube N (Exzenter) ist für die letzte Feinjustierung — nicht als Ausgleich für schräge Montage verwenden.

Das Gerät darf ausschließlich senkrecht montiert werden. Bei nicht senkrechter Montage läuft Öl aus.
Erst jetzt — nach der senkrechten Montage — beide Ventile V bis zum Anschlag linksdrehen (öffnen). Beide müssen vollständig offen sein.
Nicht vollständig geöffnete Ventile führen zu Fehlmessungen und lassen das Messmedium am Ventilsitz vorbei ins Gehäuseinnere entweichen.
Ventile erst öffnen, wenn das Gerät korrekt montiert ist. Offene Ventile bei nicht montiertem Gerät → Öl läuft aus.
Arretierschraube A bis zum Anschlag linksdrehen. Der Ringkörper ist jetzt frei beweglich.
Der Zeiger sollte sich von alleine auf Null einpendeln. Bei Messbereichen unter 100 Pa kann das 2–3 Minuten dauern — Geduld, nicht nachhelfen.
Die Arretierung sichert den Ringkörper für Transport und Demontage. Vergessene Arretierung ist die häufigste Ursache dafür, dass die Anzeige auf Druck nicht reagiert.
Zur Nullkontrolle: beide Ventile vollständig offen, beide Tüllen druckfrei zur Atmosphäre offen, Gerät exakt senkrecht montiert.
Geräte mit analoger Skala (RW65, MU-Analog-65, MU-Analog-65-2L, RW65_EX_II, Rixotact 4): Zeigt der Zeiger nicht auf Null, Feinkorrektur mit der Exzenterschraube N. Die Schraube hat die größte Wirkung, wenn der Schlitz um 90° nach links oder rechts gedreht wird. Nach jeder Korrektur den Ringkörper vollständig auspendeln lassen.
MU-Digital: Nullpunkt elektronisch über das interne Potentiometer korrigieren — keine mechanische Schraube N vorhanden.

Schraube N (analog) bzw. Potentiometer (MU-Digital) sind nur für die Kompensation von Montage-Einflüssen (Schiefhang) — nicht zur Korrektur der mechanischen Hysterese. Das Werkskalibrierprotokoll zeigt zwei Nullwerte: einen beim Anfahren von unten und einen von oben (z.B. −0,2 Pa und +0,3 Pa). Diese Differenz ist normale Lagerreibung, kein Fehler. Den Nullpunkt nicht auf exakt 0,0 Pa zwingen — das verschiebt die Hysterese auf die Skala und erhöht den Messfehler über den ganzen Bereich. Wenn justiert wird: auf den Mittelpunkt des Hysteresebandes aus dem Protokoll einstellen.
Linke Tülle = p+ (höherer Druck), rechte Tülle = p− (niedrigerer Druck). Bei Differenzdruckmessung beide Tüllen anschließen: p+ an den Messpunkt mit dem höheren Druck, p− an den Messpunkt mit dem niedrigeren Druck. Bei Überdruck- oder Unterdruckmessung bleibt p− offen zur Atmosphäre.
Die Tüllen haben 8 mm Außendurchmesser. Die Prozessleitungen werden direkt daran angeschlossen — ob mit Schlauch oder starrer Rohrleitung spielt keine Rolle, solange die Verbindung dicht sitzt.
Vertauschte Anschlüsse beschädigen das Gerät nicht, invertieren aber die Anzeige. Belegung vor dem Anschließen gegen den Leitungsplan prüfen.

Für Unterdruckmessung (Zug): p+ (links) an die Messstelle, p− (rechts) zur Atmosphäre offen — identisch wie bei Überdruckmessung, nur mit negativem Ergebnis.
Anschließen nach beiliegendem Schaltplan. Für die modellspezifische Klemmenbelegung die mitgelieferte Betriebsanleitung beachten.
Beide Tüllen offen zur Atmosphäre lassen — so liegt an beiden Seiten derselbe Druck an. Zeiger oder Digitalanzeige muss auf null gehen.
Bleibt eine Abweichung: erneut Senkrecht-Ausrichtung mit der Wasserwaage prüfen. Verbleibt die Abweichung nach Korrektur über dem Genauigkeitsgrenzwert (±1,5 Pa bei Messbereichen < 100 Pa; ±1,5 % v. E. bei Messbereichen > 100 Pa) → Gerät zur Werksprüfung einschicken.
Druckschläuche an die Prozessanschlüsse anschließen (p+ links, p− rechts). Verbindungen auf Dichtigkeit prüfen.
Anlage in Betrieb nehmen und prüfen, ob die angezeigten Messwerte plausibel sind — d. h. ob der Zeiger oder die Digitalanzeige im erwarteten Bereich liegt.
Bei Abweichungen: Anschlüsse auf Dichtigkeit prüfen, Senkrecht-Ausrichtung kontrollieren, Nullpunkt (Schritt 08) wiederholen.
Gehäusedeckel passgenau aufsetzen und die Schrauben gleichmäßig anziehen.
Empfohlen nach Störfällen, nach längerem Stillstand oder als allgemeine Prüfung. Beide Tests sind ohne Demontage durchführbar.
Nie stärker als bis zum Endwert blasen — Ringkörper kann überschlagen und Öl herausschleudern.
Nie mit dem Mund Unterdruck erzeugen (ansaugen). Für den Unterdruck-Test: Schlauch auf die rechte Tülle stecken und vorsichtig blasen — der invertierte Druck simuliert Unterdruck.
Das Messwerk arbeitet bei normalen Bedingungen wartungs- und verschleißfrei. Geht der Zeiger nach korrekter Ausrichtung und N-Korrektur nicht auf Null → Kontakt zu Rixen aufnehmen (Kugellagerreibung oder gequollene Innen-Silikonschläuche durch ausgelaufenes Öl, beides selten).
Bei Sonderkonfigurationen, ATEX-Auslegungen oder wenn das Gerät nicht reagiert wie erwartet — wir helfen direkt. Bitte die Gerätenummer (Instr.-Nr. auf dem Typenschild) bereithalten.