05 · Messbereiche & Volumenstrom

Messbereiche, Bereichswahl & Volumenstrommessung

Welche Messspannen Ringwaagen abdecken, wie die Genauigkeit vom Bereich abhängt — und warum Differenzdruck die klassische Methode zur Volumenstrommessung ist.

Echte Kalibrierdaten

Häufig bestellte Messbereiche

Auswertung einer Stichprobe von über 10.000 Kalibrierprotokollen ausgelieferter Messumformer mit elektrischem Ausgang (4–20 mA, LCD) der letzten Jahre — echte Felddaten, welche Messbereiche Kunden tatsächlich bestellen.

−50…0…+50 Pa
18.4 %
−25…0…+25 Pa
9.6 %
−10…0…+40 Pa
8.1 %
0…50 Pa
5.9 %
−100…0…+100 Pa
3.8 %
−20…0…+20 Pa
3.2 %
0…1.000 Pa
3.2 %
0…100 Pa
2.9 %
0…500 Pa
2.8 %
−6,35…0…+6,35 mm W.C.
2.5 %
−300/0/+300 Pa
2.1 %
−500…0…+500 Pa
1.8 %
−5…0…+5 mbar
1.7 %
−200…0…+200 Pa
1.6 %
−20…0…+80 Pa
1.5 %

Quelle: Rixen Messtechnik · Stichprobe von über 10.000 Kalibrierprotokollen ausgelieferter Messumformer mit elektrischem Ausgang (4–20 mA, LCD) der letzten Jahre · Top 15

Verfügbare Messbereiche

Neun Standardspannen — Sonderbereiche auf Anfrage

Rixen-Ringwaagen sind von 40 Pa bis 1.800 Pa Messspanne lieferbar. Die Skala kann symmetrisch (z. B. −50…+50 Pa) oder asymmetrisch (z. B. −10…+40 Pa) verschoben sein — das Messwerk bleibt gleich.

MessspanneTypischer ΔPGenauigkeitTypische Anwendung
40 Pa5–25 Pa±1,5 PaReinraum, OP-Schleusen
60 Pa10–40 Pa±1,5 PaReinraum, Labors
100 Pa20–80 Pa±1,5 % v. E.HLK, Filterüberwachung
160 Pa30–120 Pa±1,5 % v. E.HLK, Kanaldruckregelung
250 Pa50–200 Pa±1,5 % v. E.Gebläse, Filter, Lüftung
400 Pa80–300 Pa±1,5 % v. E.Gebläse, Volumenstrommessung
600 Pa100–500 Pa±1,5 % v. E.Industrieöfen, Biogas
1.000 Pa200–800 Pa±1,5 % v. E.Zugmessung, Druckkessel
1.800 Pa300–1.500 Pa±1,5 % v. E.Hochdruckfilter, Verdichter

Bereiche < 100 Pa

±1,5 Pa

Feste Absolutgenauigkeit. Bei 40 Pa Messspanne entspricht das ±3,75 % v. E. — aber der relevante Grenzwert ist absolut 1,5 Pa, nicht der Prozentwert.

Bereiche > 100 Pa

±1,5 % v. E.

Relative Genauigkeit bezogen auf den Endwert. Bei 1.000 Pa Messspanne sind das ±15 Pa — für industrielle Zug- und Filterüberwachung weiterhin ausgezeichnet.

Genauigkeit in der Praxis — Messbereiche unter 100 Pa

Was ±1,5 Pa wirklich bedeutet — und was die Daten zeigen

Dieser Abschnitt gilt für Messbereiche unter 100 Pa. Bei Bereichen ab 100 Pa gilt ±1,5 % v.E. als Spezifikation. Zwei Kennzahlen werden oft zusammen genannt, ohne den Unterschied zu erklären — hier ist, was jede davon bedeutet.

Spezifikation

±1,5 Pa

für Messbereiche < 100 Pa

Maximal möglicher Fehler

Das ist die Worst-Case-Garantie: An keinem einzelnen Punkt des Messbereichs übersteigt der Fehler ±1,5 Pa. In der Praxis tritt dieses Maximum typischerweise nur an bestimmten Stellen auf — z. B. in der Nähe der Endpunkte eines asymmetrischen Bereichs — und nicht gleichmäßig über die gesamte Spanne.

Typischer Lieferwert

±0,49 Pa

Median-Fehler über alle Kalibrierpunkte

Das ist der Median aller einzelnen Messpunktfehler über alle Kalibrierpunkte einer Stichprobe von über 10.000 ausgelieferten Messumformern der letzten Jahre. Er zeigt, dass die meisten Geräte deutlich besser als die Spezifikation sind — bedeutet aber nicht, dass jeder einzelne Punkt innerhalb ±0,49 Pa liegt. Ein Gerät mit einem Median von 0,49 Pa kann an einzelnen Punkten trotzdem Fehler von z. B. 1,3 Pa aufweisen.

Für Auslegung und Systemplanung immer die Spezifikation von ±1,5 Pa (bzw. ±1,5 % v.E. für Bereiche über 100 Pa) als Basis verwenden — nicht den Median. Der Median zeigt, dass Rixen-Geräte die Spezifikation typischerweise übertreffen, aber für sicherheitsrelevante Anwendungen wie Reinraum-Druckkaskaden zählt die Worst-Case-Garantie.

Bereichswahl

Wie man den richtigen Messbereich wählt

01

Betriebsdrücke ermitteln

Welcher Differenzdruck tritt im Normalbetrieb auf? Welcher Maximalwert ist denkbar? Der Messbereich sollte den Normalwert bei 50–70 % der Skala abbilden — nicht am oberen Anschlag.

02

Sicherheitsfaktor einplanen

Druckspitzen bei An- und Abfahrvorgängen, Ventilschlägen oder Filterwechseln können kurzzeitig das 2–3-fache des Nenndrucks erreichen. Die Ringwaage übersteht mechanische Überlast ohne Drift.

03

Genauigkeitsbedarf prüfen

Für Reinraum-Druckkaskaden mit 10–20 Pa Differenz zwischen den Stufen: Bereich 40 Pa oder 60 Pa wählen — dort gilt ±1,5 Pa absolut. Für Zugmessung im Kessel reicht ±1,5 % v. E. bei 600 Pa.

Volumenstrommessung

Differenzdruck und Volumenstrom: der quadratische Zusammenhang

Überall wo Strömung durch eine Engstelle fließt — Blende, Düse, Pitot-Rohr, Venturi — entsteht nach dem Bernoulli-Prinzip ein Differenzdruck, der proportional zum Quadrat der Strömungsgeschwindigkeit ist.

Bernoulli / Drosselgleichung

ΔP = k · Q²
Q = √(ΔP / k)

ΔPDifferenzdruck [Pa]

Q  — Volumenstrom [m³/h oder m³/s]

k  — Gerätekonstante (Geometrie, Medium, Temperatur)

Auswirkung des quadratischen Gesetzes

Eine Halbierung des Volumenstroms reduziert den Differenzdruck auf ein Viertel — nicht auf die Hälfte. Das ist die häufigste Fehlerquelle bei der Bereichswahl für Strömungsanwendungen.

Volumenstrom Q [%]ΔP [Pa] *Skalenposition
25 %6.25 Pa
3 %
50 %25 Pa
11 %
75 %56.25 Pa
25 %
100 %100 Pa
44 %
125 %156.25 Pa
69 %
150 %225 Pa
100 %

* Normiert: ΔP = 100 Pa bei Q = 100 %

Untergrenze des Messbereichs

Im unteren 10-%-Bereich des Volumenstrombereichs sinkt der Differenzdruck auf gerade 1 % der Spanne (z. B. 2,5 Pa bei einem 250-Pa-Gerät). In diesem Bereich liegt der Messwert im Hystereseband des Messgeräts — Ablesungen sind nur als Richtwert zu verstehen. Für zuverlässige Volumenstrommessungen sollte der minimale Betriebspunkt mindestens 20–25 % von Qₐₐₘ betragen (entspricht ca. 4–6 % des Nenn-Differenzdrucks). Wenn der Prozess regelmäßig in diesem Bereich läuft, empfiehlt sich die Wahl einer kleineren Messspanne.

Volumenstrom aus Differenzdruck

Da ΔP = k·Q², ist die Skala der Ringwaage linear zum Differenzdruck — was einer quadratischen Kennlinie beim Volumenstrom entspricht. Auch der Messumformerausgang entspricht dem ΔP linear. Für eine direkte Volumenstromanzeige zieht die Gebäudeleittechnik oder SCADA die Wurzel: Q = k·√ΔP.

Lineare ΔP-Skala

Die Ringwaage zeigt Differenzdruck linear an. Der Volumenstrom Q = k·√ΔP wird im Leitsystem oder Messumformer berechnet.

Kombinierbar mit Wirkdruckgebern

Blende, Düse, Pitot-Rohr oder Venturi als Wirkdruckgeber — die Ringwaage als Sekundärgerät.

Langzeitstabil auch bei Wirkdruck

Der mechanische Messpfad ohne Membran bleibt auch bei dauerhafter Wirkdruckmessung kalibrationsstabil — kein Drift durch Membranermüdung.

Praxisbeispiel

Bereichswahl für eine Lüftungsanlage

Gegeben

  • Lüftungskanal mit Messblende
  • Nennvolumenstrom: 3.000 m³/h → ΔP = 150 Pa
  • Mindestvolumenstrom: 1.500 m³/h → ΔP = 37,5 Pa
  • Kurzzeitspitze: 3.600 m³/h → ΔP = 216 Pa

Ergebnis

Gewählter Bereich: 250 Pa. Nennvolumenstrom entspricht ΔP = 150 Pa (60 % der Skala — optimal), minimaler Betriebspunkt ca. 25 % (unter 20 % nur Richtwerte), Spitze mit Puffer abgedeckt. Genauigkeit: ±1,5 % v. E. = ±3,75 Pa beim Nennwert. Volumenstrom Q = k·√ΔP wird in der GLT berechnet.

→ RW65, 250 Pa